Fahrbericht BMW F 800 GS – die ersten 1.000km

Eigentlich sind es jetzt schon 1.250km. Habe die BMW F 800 GS am 27. Juli gekauft und abgeholt, hatte dann eine Woche später schon über 700km drauf und am 9. August habe ich sie dann mit etwas über 1.000km zur „Einfahrkontrolle“ gebracht, dass ist quasi die erste Inspektion nach ca. 1.000km.

Aber jetzt von vorne: warum gerade dieses Motorrad? Und wie ist es nun?

Mir war klar, dass ich eine Enduro haben wollte. Die 800 GS sieht einfach super klasse aus! Ich finde sie optisch sehr schön, ich passe gut drauf (bin 1,90m groß, brauche also eine entsprechende Sitzhöhe) und alle Tests haben nur gutes berichtet. Die 800 GS ist NICHT die kleine Schwester der 1200 GS sondern ein eigenständiges Modell.
Ich habe mich dann für das Sondermodell 30 Jahre GS entschieden, allerdings mit schwarzer Sitzbank und nicht mit der roten.

Als Sonderausstattung gabs folgendes oben drauf:
Sonderlackierung alpinweiß uni N74 mit Tape-Design in weiß/blau/rot /, Motor schwarz, Windschild groß u. getönt, Handschutzbügel und Handschutz groß mit Aufsatzspoiler, Enduro-Aluminium-Motorschutz, LED-Blinkleuchten weiß, Hauptständer (warum ist der eigentlich nicht Serie?), Bordcomputer, Heizbare Griffe, BMW Motorrad ABS, Variokoffer rechts und links mit Schließzylinder zur Gleichschließung (also nur Zundschlüssel für alles erforderlich), Tankrucksack.
BMW-typisch schnellt der Preis dann mit der Sonderausstattung auch schnell auf 13.000€.
Zusätzlich habe ich mir direkt noch das Motoradnavigationssystem Tomtom Urban Rider gekauft.
Technische Daten gibts zusammengefasst ganz unten.

Meine Eindrücke und Erlebnisse:

Ob das Motorrad dann passt oder nicht, merkt man sehr schnell. Ich bin der nach ersten Fahrt von ca. 2 Stunden mit einem breiten Grinsen abgestiegen und musste eine Stunde später auch sofort wieder weiter fahren. Mit dem selben Grinsen!
Ich sitze wirklich sehr aufrecht und bequem auf dem Motorrad. Die Beine liegen gut an, sind bequem angewinkelt und der Lenker hat die optimale Höhe und Breite. Leider bin ich mir der Standard Sitzbank nicht so zufrieden gewesen. Nach ca. 1,5 bis 2 Stunden Fahrt hat mir der Hintern weh getan. Der Schmerz war nach kurzen Pausen immer weg aber man will ja auch mal länger durch fahren. Also habe ich die Komfortsitzbank auf einer 2 Stunden Tour getestet und war sehr zufrieden. Diese habe ich dann direkt gekauft und bei der Einfahrkontrolle drauf machen lassen. Die Komfortsitzbank ist breiter und vor allem nicht so steil, sondern eher flach. Ich kann die Sitzposition durch leichtes Verrutschen nach vorn oder hinten ändern, ohne immer wieder nach vorne zu rutschen, wie es bei der steilen Standardbank ist. Ich finde sie nicht ganz so schön, weil viel breiter, aber der Zugewinn an Komfort (vor allem auch für den Sozius) ist enorm. Dazu ist die Bank auch noch 2cm höher. Zusätzlich habe ich die Gummies an den Fußrasten entfernt, was auch noch einmal ca. 1cm ausmacht und meiner Beinlänge entgegenkommt.
Der Motor macht zwar optisch nicht viel her, aber er gehört zu den meistunterschätzten Triebwerken in der Branche. Mit seinen 85PS (63kW) hängt er genial spontan am Gas, er dreht unauffällig, aber sehr nachdrücklich nach vorn, und er geht nicht leichtfertig mit den Ressourcen um. Außerdem hat er einen ganz eigenen Charakter, der dem eines Boxers nicht fremd ist, und er hört sich –  last but not least – auch noch gut an!
Wer bei nominell 85 PS bei 7500 U/min. die Nase rümpft, sollte wissen, dass die erzielten Fahrleistungen nicht meilenweit entfernt sind vom bekannt durchzugsstarken Boxer. Und wer meint, dass 83 Newtonmeter bei 5750 Touren schwach sind muss akzeptieren, dass sich Überholmanöver auch durch eine exakt arbeitende Schaltbox verkürzen lassen. Über 200 km/h max. und die gemessenen 7,8 Sekunden von 50 auf 120 km/h im letzten Gang lassen eine hubraumgleiche, auf Leistung getrimmte Honda VFR (9,7 s) alt aussehen.
Des Motors Stärke liegt sicher zwischen 3.500 und 5.500 U/min., hier schiebt er kräftig voran und verwöhnt mit sattem Sound, der sich aufgrund des Soundmanagements wie der der großen 1200er GS anhört.
Was ich ggf. noch als etwas störend empfinde sind die Vibrationen ab ca. 5.500 U/min. Da merke ich dann bei längeren Strecken ein deutliches Kribbeln in den Händen.

Der Durchnschnittsverbrauch liegt jetzt laut Bordcomputer bei 4,4 Liter. Das relativiert den kleinen 16-Liter-Tank im Heck, der unter diesen Umständen Reichweiten auch über 300 Kilometer garantiert. Die Platzierung des Tanks unterhalb der Sitzbank bringt nicht nur schwerpunktmäßig Vorteile mit sich, die Betankung vor Ort insbesondere bei montiertem Tankrucksack gestaltet sich auch um einiges einfacher. Oft ist es auch lustig an der Zapfsäule, wenn Autofahrer unglaubwürdig gucken, wie ich hinten tanke!

Sehr gut gefällt mir dass direkt Gefühl zur Straße. Die Gabel und der Lenker lässt den Untergrund wirklich gut spüren, die Lenkbewegungen sind direkt und genau, der Geradeauslauf ist sehr stabil und die 21″ Vorderradfelge läuft leicht über viele Schlaglöcher weg.

Bisher bin ich noch keine Tour über 4 Stunden, bzw. über 250km an Stück gefahren. Im September habe ich 3 Wochen Urlaub und plane eine Motorradtour über ca. 1 Woche. Dann auch zum ersten mal voll beladen.

Hier noch ein paar technische Daten:

– Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, zwei obenliegende Nockenwellen,Trockensumpfschmierung, Hubraum: 798 ccm, Nennleistung:63kW (85PS) bei 7.500 U/min
– Rahmen: Stahlgitterrohrrahmen, Motor mittragend
– Vorderradführung / Federelemente: Upside-Down Teleskopgabel, Ø 45 mm
– Hinterradführung / Federelemente: Aluminiumguss-Zweiarmschwinge, WAD Federbein, Federvorspannung mittels Handrad, hydraulisch stufenlos einstellbar, Zugstufendämpfung einstellbar
– Länge: 2.320 mm, Höhe (ohne Spiegel): 1.350 mm, Breite (über Spiegel): 945 mm
– Sitzhöhe bei Leergewicht: Komfortsitzbank: 895 mm
– Leergewicht fahrfertig, vollgetankt: 207 kg
– zulässiges Gesamtgewicht: 443 kg, Zuladung (bei Serienausstattung): 236 kg
– nutzbares Tankvolumen: 16 l

6 thoughts on “Fahrbericht BMW F 800 GS – die ersten 1.000km

  1. Pingback: BMW F 800 GS + Zubehör – Erfahrungen nach 4.000km « WNell's Blog

  2. Pingback: 2010 in review « WNell's Blog

  3. Hey, netter Bericht und eine gute Hilfe für mich als Einsteiger.
    Ich glaube du hast mich damit von der 800 GS überzeugt und ich werde sie mir auch (gebraucht) kaufen.
    Grüße aus Berlin, Max.

    • Hallo Max,

      Ich freue mich das Dir der Bericht gefallen hat und Du Dich nun für ein sehr gutes Motorrad entschieden hast.
      Bitte schreibe doch dann später noch einmal etwas über Deine Erfahrungen hier rein.

      Würde mich freuen.

      Viel Spaß mit der 800’er GS!

  4. Danke für den schönen Testbericht. Die F800 GS ist für mich das derzeit einzige echte Adventure Bike. Eine 12erGS oder 1290er KTM Adventure sind mir viel zu technokrat. Gerade bei einer emotionalen Handlung wie dem Motorradfahren geht es ja auch nicht immer den höchsten Komfort, sondern um das höchste Erlebnis. Und genau da finde ich die 800er authentischer!
    Gruß
    Mario

  5. Hi Mario,

    ich freue mich, wenn Dir mein kleiner Bericht gefallen hat.
    Es stimmt tatsächlich, dass die 800er viel näher an „Adventure“ dran ist als die anderen, dickeren Kandidaten.
    Die 800er ist ein super Motorrad, welches auch im Gelände super performed.
    Ich habe festgestellt, dass ich zu 95% nicht im Gelände unterwegs bin, Langstreckenkomfort mag und einen Boxermotor genießen möchte. Daher mein Wechsel zur dicken 1200er Adv.
    Wenn ich könnte und mehr Zeit hätte, würde ich am liebsten beide haben und fahren ….

    Viel Spaß auf allen Wegen!
    Und wenn Du magst, berichte doch einmal von Deinen Erlebnissen mit der 800er.

    Grüße

    Wilhelm

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