Cocooning – die Kunst einsam zu werden

Schon vor über 10 Jahren habe ich einen Artikel über „Cocooning“ gelesen.
Ich zitiere hier aus Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Cocooning

Als Cocooning (dt. verpuppen) wird besonders von Trendforschern eine Tendenz bezeichnet, sich vermehrt aus der Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit in das häusliche Privatleben zurückzuziehen.

Der Begriff aus dem Englischen bezeichnet eigentlich das „sich in einen Kokon einspinnen“, auch Verpuppung genannt. Er wurde zuerst in den späten 1980ern von der US-amerikanischen Trendforscherin Faith Popcorn verwendet. Zuvor war ein solches Lebensgefühl aber schon unter dem Begriff Cosy Home zusammengefasst worden. Besonders in der unübersichtlichen, als bedrohlich empfundenen Welt wie in Krisenzeiten oder nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 sei eine solche Tendenz im Mainstream verstärkt anzutreffen. Wirtschaft und Handel bieten inzwischen eine Vielzahl an Produkten an, die den Konsumenten beim Cocooning unterstützen sollen.

Weiter sind auch die Begriffe „Homing“ und „Hikikomori“ bekannt.

Vor über 10 Jahren war das für mich eher so ein Trend, der ggf. in den USA bekannt ist, wo die Leute sowieso, naja, wie sage ich das jetzt, … „anders“ sind. Doch weit gefehlt. Wir sind mitten drin!
Wir cocoonen was das Zeug hält. Trends zeigen auf, dass wir immer mehr Geld für unser Zuhause ausgeben. Die Wohnung, das Haus muss immer gemütlicher, sicherer, umfassender werden. Wir sichern uns ab, arbeiten an einer gewissen Unabhängigkeit.
Dazu kommt der Trend vieler Arbeitgeber, dem Arbeitnehmer kein Büro mehr zur Verfügung zu stellen, sondern die Arbeit von Zuhause aus „home office“ zu ermöglichen. Da kann man dann 24 Stunden am Tag zurückgezogen in den eigenen vier Wänden verbringen, arbeiten, essen, schlafen, bestellen, schreiben, bloggen, twittern, usw. Es ist nicht mehr zwangsläufig erforderlich, dass Haus/die Wohnung zu verlassen.
Dieses wird weiter gefördert durch alle möglichen „Bringdienste“. Die Pizza und jedes andere denkbare Essen (einschließlich Getränke und Sonderwünsche) wird an die Türe geliefert. Dank Amazon (seit heute auch Nahrungsmittel!) und eBay muss man nicht mehr in die Stadt um Klamotten zu kaufen, ja noch nicht einmal telefonieren. Alles kommt zu uns nach Hause. Wehe dem, es passt einmal etwas nicht. Dann muss man doch kurz die sichere Umgebung verlassen und mal zur Post. Oder wählt man doch gleich lieber die Option, das Paket wieder Zuhause abholen zu lassen? Geht. Kein Problem. Einfach zurück senden, neu Bestellen und im Cocoon darauf warten.

In der Zwischenzeit ist man ja auch in seinem Nest mit der Außenwelt verbunden. Dank Internet und den entsprechenden Diensten wie Twitter, WordPress, Facebook, …VZ, usw. trifft man Freunde, Bekannte, lernt neue Leute kennen, ist ein geschätzter und beliebter Mensch ….. zumindest virtuell.
Und damit man auch nichts verpasst und überall in seinem Cocoon die Kontakte pflegen kann, sind WLAN, Smartphones, iPhone, iPad, iWeissnichtwas selbstverständlich. Immer dabei, immer am Ball aber eben immer im sicheren, eigenen Nest.
Kritiker sprechen hier immer öfter eine Art Sucht an. Der immer erreichbar sein müssende und sich immer mitteilen müssende, zurückgezogene, vereinsamte, virtuelle Mensch.

Ich möchte das Ganze nicht schwarz malen oder übertreiben. Im Gegenteil. Schließlich sitze ich ja selbst gerade in meinem Cocoon und blogge ….
Den Trend beobachte ich aber sehr wohl. Und fast schon erschreckend dabei ist für mich die Geschwindigkeit in der alles von statten geht. Vor 10 Jahren hätte sich das hier niemand träumen lassen. Sicher haben einige Leute ein Problem damit, aufzuhören, abzuschalten, mal wieder wirklich heraus zu gehen und reale Kontakte zu pflegen. Für mich verhält sich das ungefähr so wie mit dem Alkohol oder anderen anregenden Stimulanzien: zu viel ist ungesund! Man muss eben selbst wissen und abschätzen können, wie viel man verträgt und wie viel gut für einen ist.

Interessant wird das ganze Thema dann noch mal in weiteren 10 Jahren. Wo sind wir dann? Wie wird sich diese neue Kultur entwickeln? Wie gehen wir damit um?

Danke für’s Interesse und ich freue mich auf Kommentare!

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